Beim EHA 2026 wurden Daten der randomisierten Phase-3-Studie AIEOP-BFM ALL 2017 zum Einsatz von Blinatumomab bei pädiatrischen Patient:innen mit erstdiagnostizierter Hochrisiko-B-Zell-ALL vorgestellt. In der Studie wurde geprüft, ob zwei intensive Chemotherapie-Kurse durch zwei 28-tägige Blinatumomab-Zyklen, ersetzt werden können.
Erstlinienbehandlung der pädiatrischen Hochrisiko-B-Zell-ALL
“REPLACEMENT OF HIGH DOSE COMBINATION CHEMOTHERAPY WITH BLINATUMOMAB IN NEWLY DIAGNOSED PEDIATRIC HIGH-RISK B-CELL ALL IMPROVES EFFICACY AND SAFETY IN THE RANDOMIZED PHASE 3 AIEOP-BFM ALL 2017 TRIAL” – Schrappe et al. S103
In die Studie wurden Patient:innen nach Induktion, Konsolidierung und einem intensiven Chemotherapie-Kurs eingeschlossen. Insgesamt wurden 92,3 % von 768 geeigneten Patient:innen randomisiert und erhielten entweder den Blinatumomab-Arm (n = 358) oder den Chemotherapie-Kontrollarm (n = 351). Der primäre Endpunkt war das EFS; sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem lebensbedrohliche therapieassoziierte Komplikationen, Mortalität und MRD-Ansprechen.
Ergebnisse
Wirksamkeit
In der geplanten Interimsanalyse bei einem medianen Follow-Up von 2,9 Jahren lag das 4-Jahres-EFS im Blinatumomab-Arm bei 83,0 % (± 2,5 %) gegenüber 70,3 % (±3,1 %) im Chemotherapie-Kontrollarm (p = 0,0002, HR 0,51 (95 %-KI 0,35–0,73)).
Die CIR betrug 11,8 % (± 2,2 %) im Blinatumomab-Arm gegenüber 21,4 % (±2,9 %) im Kontrollarm. Isolierte ZNS-Rezidive wurden bei 0,3 % der Patient:innen im Blinatumomab-Arm und bei 2,5 % im Kontrollarm berichtet. Bei Patient:innen, die vor Randomisierung weiterhin MRD-positiv waren, wurde eine Reduktion der MRD-Last bei 76,9 % im Blinatumomab-Arm versus 45,8 % im Kontrollarm beobachtet (p < 0,0001).
Verträglichkeit
Während der randomisierten Behandlungsphase unterschieden sich die berichteten unerwünschten Ereignisse zwischen den Armen. Klinisch relevante infektiöse unerwünschte Ereignisse traten bei 23,9 % der Patient:innen im Blinatumomab-Arm und bei 69,4 % im Kontrollarm auf (p < 0,001). Ereignisse des Nervensystems wurden bei 12 % versus 3,2 % berichtet (p < 0,001).
Hospitalisierungen aufgrund schwerer Mukositis oder Stomatitis wurden bei 0,3 % der Patient:innen im Blinatumomab-Arm und bei 10 % im Kontrollarm dokumentiert. Ein CRS ≥ Grad 2 trat im Blinatumomab-Arm bei 1,1 % der Patient:innen auf. Lebensbedrohliche unerwünschte Ereignisse wurden im Kontrollarm bei 11 Patient:innen berichtet (4,4 %) und im Blinatumomab-Arm bei einer Patientin beziehungsweise einem Patienten (0,3 %; fatal). Bei transplantierten Patient:innen lag die NRM 2,5 % im Blinatumomab-Arm gegenüber 16 % im Kontrollarm.
Fazit
In der AIEOP-BFM ALL 2017-Studie war der Ersatz von zwei intensiven Chemotherapieelementen durch zwei Blinatumomab-Zyklen bei pädiatrischen Patient:innen mit erstdiagnostizierter Hochrisiko-B-Zell-ALL mit einem höheren 4-Jahres-EFS, einer niedrigeren CIR und einem höheren Anteil an Patient:innen mit MRD-Clearance assoziiert.
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